Delfter Fliesen

Geschichte der Delfter Fliesen (Überblick)

 

Der Begriff „Delfter Fliese“ ist ein Sammelbegriff für die in den Niederlanden herge­stellten Fliesen. Korrekterweise müsste man von „Niederländischen Fliesen“ sprechen, denn Delft war ein Produktionsort unter vielen. Zu Beginn des 17. Jh. gab es in den Niederlanden ca. 80 Fliesenbrennereien, davon waren lediglich 10 in Delft beheima­tet. Andere bekannte Standorte waren Amsterdam, Harlingen, Makkum, Middelburg und Rotterdam. Allerdings sind starke Einflüsse seitens der Delfter Betriebe in technischer und künstlerischer Hinsicht auf die Konkurrenzbetriebe an den anderen Standorten belegt.

Importiert wurde das Know-How der Fliesenherstellung im 16. Jh. aus Spanien und Italien.

Der Herstellungsvorgang umfasste die folgenden sieben Schritte:

  1. Herstellung des Rohmaterials aus geschlämmtem Ton unter Beigabe von Quarzsand und Kalk.

  2. Formung der Rohmasse, indem sie zunächst gewalzt, dann mittels eines Rahmens in das richtige Format gebracht und schließlich auf die exakten Maße zugeschnitten wird. Für den Zuschnitt legt man eine vermessene Holzplatte auf den Ton und schneidet an den Seiten der Holzplatte entlang die überstehenden Teile ab. Damit die Holzplatte auf der Rohmasse nicht verrutscht, hat man sie bis ca. 1865 mit vier kleinen Nägeln in den Ecken mit der Rohmasse verbunden. Diese kleinen Nagellöcher sind auf den fertig gebrannten Fliesen noch zu erkennen und dienen als ein Merkmal zur Altersbestimmung.

  3. Brennvorgang nach vorheriger Trocknung.

  4. Überzug der Fliesen mit einer Zinnglasur.

  5. Aufbringung der Konturen der Malereien mittels Sponsen. Sofern die Fliesen bemalt werden sollten, schlossen sich die Schritte 5 bis 7 an.Während bei den frühen Werken (Einzelfertigung) die Maler noch individuell arbeiten konnten, wurden bei steigender Nachfrage und ein­setzender Serienproduktion von den Malern Vorlagen (oft perforierte Pergamentpa­piere, genannt „Sponsen“ ) verwendet, die die Konturen der Fliesenbilder vorgaben. Diese mussten dann später nur noch mit der Hand ausgemalt werden. (So wundert es auch nicht, dass die Künstler „Ihre Werke“ im Regelfall nicht signierten und somit die Zuordnung einer Fliese zu einem Künstler oder einer Produktionsstätte nur von Experten erfolgen kann).

  6. Ausmalen der mit Sponsen vorbereiteten Fliesen.

  7. Letztmaliger Brennvorgang.

 

In den Niederlanden stellte man Fliesen und Gefäße (Sammelbegriff: Scherben) her. Die Fliesen waren zunächst Dekorationselemente, deren Herstellung als Einzelstücke oder in kleiner Auflagen erfolgte. Als Vorbilder dienten zunächst die Erzeugnisse der Fliesenbrennereien in Antwerpen, die aus grob geschlämmtem Ton hergestellt und ca. 20 mm dick waren. Ab dem 17 Jh. wurden die Fliesen zierlicher, sie waren nur noch 11-13 mm dick und maßen 13 mal 13 Zentimeter. Die Fliesen waren zunächst mehrfarbig (polychrom) bemalt, ab 1620 wurden die Dekore zunehmend monochrom, und zwar in blau ausgemalt. Parallel mit dem Wandel im Farbeinsatz erfolgte die vermehrte Verwendung figürlicher Motive anstelle der bis dahin verwendeten Ornamente. Ab 1640 folgen als Motive biblische Darstellungen, Landschaften, Hirten usw. Seit dem 18. Jh. kommt die braune Farbe (Mangan) ergänzend zum Einsatz.

 

Bis zur Mitte des 16. Jh. dienten die Fliesen vornehmlich zur Gestaltung der Fußböden von Klöster und Kirchen, danach setzte man die Fliesen auch für Wandverkleidungen ein. Es fanden sich immer mehr Verwendungsfelder (Bürgerhäuser, Bauernhöfe) für die Fliesen und auch immer mehr Kunden im In- und Ausland ließen die Nachfrage stark ansteigen. Die niederländischen Fliesenhersteller reagierten darauf, dass sie stärker kooperierten. Sie stellten sich gegenseitig Sponsen zur Verfügung, tauschten bei Bedarf Personal aus oder ließen sogar ganze Aufträge von Konkurrenzbetrieben fertigen, die über freie Produktionskapazitäten verfügten. Aus der Einzelfertigung wurde eine Serien- und schließlich Massenfertigung. Diese Entwicklung erschwert die künstlerische Zuordnung der Fliesen enorm.

Beendet wurde dieser wirtschaftliche Aufschwung gegen Ende des 18. Jh.. Die Fliesen verloren ihre Stellung als architektonisches Gestaltungselement, andere Materialien wie Steingut ließen sich billiger produzieren. Die sinkende Nachfrage führte dazu, dass immer mehr Betriebe in Konkurs gingen oder ganz einfach aufgaben.

 

 

Zur zeitlichen Einordnung der Fliesen werden in der einschlägigen Literatur und auch hier die Unterscheidungskriterien

 

  • Zentralmotiv

  • Eckmotiv

  • Länge, Breite, Höhe

  • Farbgestaltung

 

herangezogen.

 

In der hier gezeigten Fliesengalerie werden die Exponate nach den Zentralmotiven zusammengefasst. Es wurden die folgenden Motivgruppen gebildet:

 

  • Biblische und mythologische Darstellungen

  • Landschaften

  • Blumen und Blumentöpfe

  • Obst

  • Hirten

  • Jagdszenen, Tiere

  • Spielende Kinder

  • Gespritzte Fliesen

  • Ornamente

  • Tableaux

 

Innerhalb dieser Gruppen wird jede Fliese anhand des Eckmotivs (soweit erforderlich, ergänzt durch die weiteren Merkmale) klassifiziert.

 

Quelle: Siehe Literaturliste, insb. die Werke von Pluis, Elling, Lüden und Matusz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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